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(Text: Otto Huber, Fotos: Barbara Hirschbichler)
In
Skardu steht bereits der Rohbau für das Sternstunden-Wohnheim für
Mädchen.
Barbara
Hirschbichler blickt auf ein erfolgreiches Jahr der Himalaya-Karakorum-Hilfe e.V. zurück.
Zuerst
die gute Nachricht: Obwohl man über Pakistan wöchentlich
Horrormeldungen liest, ist das
Arbeitsgebiet der Himalaya-Karakorum-Hilfe e.V., die Region Skardu und das Braldotal im
Karakorum, im Jahr 2012 friedlich geblieben. Die Projekte der Karakorumhilfe sind nicht gefährdet.
Pakistan
steckt in einer schrecklichen Krise. Die Auseinandersetzungen
zwischen den Fundamentalisten
der sunnitischen Mehrheit und den
religiösen Minderheiten sind eskaliert. Die Menschen leiden unter
Selbstmordattentaten und Bombenanschlägen. Dazu die selbstherrlichen
Drohnen-Bombardements
der Amerikaner und der Terror der Talibankämpfer. Es ist zu hoffen, dass sich die Bewohner der
Bergdörfer des Karakorum, überwiegend Angehörige der schiitischen
Minderheit, aus dem Chaos
heraushalten können.
Seit
12 Jahren engagiert sich Barbara Hirschbichler zusammen mit ihrem
Mann Rasool in Baltistan.
Beiden geht es darum, den Menschen in den
abgelegenen Bergdörfern zu helfen, an denen die
offiziellen
Hilfsprojekte oft vorbeigehen. Aber beide sind sich auch sicher, eine
nachhaltige
Verbesserung der Lebensverhältnisse kann nur die nächste
Generation schaffen. "Die schulische
Ausbildung der Mädchen und
Buben aus den Bergdörfern ist für mich der Schlüssel für eine
bessere
Zukunft", sagt Barbara Hirschbichler. Die
Himalaya-Karakorum-Hilfe e.V. ermöglicht mit Schul-
patenschaften, dass mehr als 200 Mädchen und Buben in die Schule geschickt werden.

Das
erfolgreichste Projekt: die Schülerwohnheime.
In
Skardu wohnen seit zwei Jahren 60 Schüler aus dem Braldotal im Heim
der Karakorumhilfe.
Ihre Heimatdörfer liegen eine Jeep-Tagesreise
entfernt in den Bergen des Karakorum. Ohne das
Heim könnten sie die
höhere Schule in der Provinzhauptstadt nicht besuchen. Bedingung für
die Aufnahme
in das Wohnheim ist die bestandene Aufnahmeprüfung der höheren Schule. Auch für den Aufenthalt im
Heim gelten strenge
Verhaltensregeln. Die Aufsicht über das Schülerwohnheim liegt in
der Hand eines
Kuratoriums, das aus Dorfvorstehern und
Lokalpolitikern besteht. Barbara Hirschbichler und ihr Mann
Rasool
kümmern sich um Verwaltung und Finanzierung. Ali, der Heimleiter,
und der Koch Ibrahim
mit seinem tüchtigen Küchenjungen Manzoor
sorgen für das leibliche Wohl der Buben. "Unser Verein
zahlt
die Gehälter, die Lebensmittel und die Gebäudekosten. Die Eltern
der Schüler leisten monatlich
einen Beitrag von etwa 15.- €, was
für Baltistan schon sehr viel Geld bedeutet."


In
Skardu steht bereits der Rohbau für das zweite Wohnheim der
Himalaya-Karakorum-Hilfe e.V.
Das Heim, das zum Großteil von
Hilfsgeldern der Aktion „Sternstunden“ des Bayerischen
Rundfunks
finanziert wird, soll im Herbst 2013 eröffnet werden. In einem
islamischen Land wie
Pakistan ist ein Schülerwohnheim für Mädchen
keine Selbstverständlichkeit. Vermutlich würde manch
e westliche
Hilfsorganisation an einem solchen Projekt scheitern. Aber Barbaras
Mann Rasool genießt
in seiner Heimat großes Vertrauen und eine
Wertschätzung, die es ihm möglich macht, auch ungewöhnliche
Projekte durchzuziehen. Er überwacht die Planung und kontrolliert
den Baufortschritt nahezu rund um
die Uhr. Er ist der Garant dafür,
dass die Kosten nicht aus dem Ruder laufen. 60 Zimmer entstehen
in
dem neuen Wohnheim, alle mit Dusche und Toilette und auf dem großen
Grundstück werden die
Mädchen unter sich sein. Sie können dort
ungestört spielen oder sich sportlich betätigen.

Hilfe
zur Selbsthilfe – ein erfolgreiches Konzept.
„Dass
unser Konzept - Hilfe zur Selbsthilfe - aufgeht“, sagt Barbara
Hirschbichler mit sichtlicher Freude,
„beweist der Erfolg der von
uns gegründeten Trekking-Agentur Shipton Treks & Expeditions“.
2012 organisierte die Agentur die Expeditionen berühmter
Spitzenalpinisten wie David Lama und
Peter Ortner zur Chogolisa und
zu den Trango Towers. Shipton ist außerdem Exklusiv-Partner des
DAV
Summit Club und organisiert dessen Trekkingtouren im Karakorum. Corey
Rich, der David Lama
als Kameramann begleitete, schrieb: „The
entire team was great – for my next trip I know who to call“.
Ein
besseres Lob aus berufenem Mund kann man sich nicht wünschen.
Shipton Treks & Expeditions ist für
die Menschen des Braldotales
nicht nur ein wichtiger Arbeitgeber, der für faire Trägerlöhne
sorgt,
sondern hat darüber hinaus eine große Bedeutung für das
Selbstbewusstsein der Bergbewohner.
„Wenn es um Shipton geht, dann
reden sie von ,unserer’ Agentur“, sagt Barbara Hirschbichler,
„und das ist das Beste was wir erreichen konnten“.

Ghulam
Rasool leitet die Agentur. Er gilt als einer der besten
Gebietskenner, stand selbst auf zwei
Achttausendern und arbeitete als
Hochträger und Sirdar (Trägerobmann) für zahlreiche
Karakorum-
Expeditionen. Ghulam Rasool ist ein Bewegungstalent.
Während seiner Aufenthalte im Berchtesgadener
Land lernte er das
Skifahren – der einzige Balti, der diese Kunst beherrscht. Und noch
eine Erfolgsstory:
Iqbal, ein junger Mann aus dem Bergdorf Askole,
ist der Geschäftsführer von Shipton Treks & Expeditions.
Er
ging zur Schule mit Hilfe einer Patenschaft der Karakorumhilfe und
ist einer der ersten Bewohner des
Braldotales, der erfolgreich ein
Hochschulstudium absolvierte.
Die
wichtigsten Unterstützer.
Seit
Jahren gehören die "Huaberbuam" Alexander und Thomas zu
den wichtigsten Unterstützern
des Vereins. Bei ihren Vorträgen
rufen sie zu Spenden auf und sammeln auf Benefiz-Veranstaltungen
erhebliche Beträge ein. Neben der Aktion Sternstunden des
Bayerischen Rundfunks sind es die vielen
kleinen und größeren
Geldspenden von Schulkindern, Firmen und Privatleuten, welche die
Arbeit der
Himalaya-Karakorum-Hilfe e.V. erst möglich machen.
Im
Jahr 2012 wurde neben den laufenden Kosten für Reparaturen an den
vereinseigenen Fahrzeugen,
den Gehältern für Lehrern und
Hilfskräften ein größerer Betrag für den Kauf eines Grundstückes
in
Islamabad aufgewendet. Hier soll einmal ein Heim für Studenten
aus Baltistan entstehen. Ein ambitioniertes
Projekt für die
kommenden Jahre.
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